Laura Oelbermann

 

Laura Oelbermann kompakt | Fortsetzung  | Rätsel

 

 

Laura Oelbermann kompakt

 

Die Kölner Kaufmannswitwe Laura Oelbermann war eine der reichsten Personen in der Stadt; sie starb 1929. Streng evangelisch, stiftete sie Teile ihres Vermögens für etliche evangelische Einrichtungen in Köln.

 

Eng verbunden mit der Kaisergemahlin Auguste Viktoria gab sie auch große Gelder für drei Prestige-Objekte Wilhelms II.: Kaiserkirchen in Berlin, Gerolstein und Jerusalem.

 

Als „verdienstvolle Bürgerin“ ist ihre Grabstätte ein Pflegegrab der Stadt Köln. Diese hat ihre Verpflichtungen zur regelmäßigen Schmückung des Grabs nicht eingehalten. Auch ist der weiße Carrara-Marmor der Grabskulptur von einem schmutzig-grünlichen Belag bedeckt. Dafür wächst die Begrünung im Grab weniger üppig.

 

In der Himmelfahrtkirche auf dem Ölberg in Jerusalem wird Laura Oelbermann mit einem Wappenfenster gewürdigt; die Aufnahme zeigt die opulente Verwendung des von der Berliner Mosaikfirma Puhl & Wagner erfundenen und patentierten Fenstergoldglases. (Foto privat)

 

Im Juli 2019 hat das evangelische Köln die Sanierung der Grabstätte beschlossen, finanziert durch Gelder der zwei Oelbermann-Stiftungen, die heute noch existieren. Auch soll eine Gedenktafel für Laura aufgestellt werden. Im Mai 2021 ist ihr 175. Geburtstag; das wäre ein würdiges Datum dafür.

 

Ausführliche Berichte zu Laura Oelbermann stehen im Netz:

 

- in der »Neuen Rheinischen Zeitung«, Online-Flyer Nr. 707, 29.05.2019

- und auf meiner Website: »Fortsetzung«, August 2019 (siehe unten, den nachfolgenden Beitrag)

 

»Laura Oelbermann kompakt« ist eine Zusammenfassung dieser beiden Aufsätze.

 

Nachtrag: Im Herbst 2019 wurde die Grabstätte Oelbermann komplett saniert; das evangelische Köln hat schnell und entschlossen gehandelt.

 

 

Laura Oelbermann kompakt | Fortsetzung | Rätsel

 

 

Fortsetzung meines Aufsatzes, erschienen am 29. Mai 2019 in der "Neue(n) Rheinische(n) Zeitung" (Online Flyer Nr. 707)

 

Zum Kaufmann Emil Oelbermann | Oelbermanns und die Kölner Juden | Die Villa Oelbermann | Über das Wappen im "Oelbermann-Park" | Über Lauras Wappen in Gerolstein | Laura als Frau und Mutter | Zu Lauras Testament | "Posaune" oder nicht Posaune? Das ist hier die Frage | Zum Zustand der Grabstätte Oelbermann | Geheimnisvoller Fund in der Grabstätte Oelbermann

 

 

Zum Kaufmann Emil Oelbermann

 

Emil war (lt. New York Times) 1851 bereits als 18-Jähriger zum ersten Mal in die USA ausgewandert. 1878 verlegte er auf Bitten seiner Frau seinen Wohnsitz wieder nach Köln, unter Beibehaltung seines New Yorker Unternehmens „Oelbermann, Dommerich & Co.“. An der Vorderseite des Gebäudes mit dem Firmensitz in New York, in der 57–63 Greene St., stand „Emil Oelbermann & Co.“. Das "William Steinway Diary" (1861–1896) im "Smithonian National Museum of American History" erwähnt unter 27 deutschen Millionären in New York auch den "Banker Emil Oelbermann". Emil war auch Präsident der „Deutsch-Amerikanische(n) Versicherungsgesellschaft“. Zwischen 1880 und seinem Tod 1897 reiste er zweiundsechzigmal über den Großen Teich in die USA. Flüge gab´s damals noch nicht, nur Schiffspassagen; und zum Überseehafen musste man auch erst einmal übers Land fahren. Wenn man sehr knapp rechnet und annimmt, dass eine solche Reise drei Wochen gedauert haben könnte (Hinfahrt, Aufenthalt und Rückfahrt zusammen genommen): Wie viel Zeit hat Emil mindestens wohl außerhalb seines Wohnortes Köln verbracht? 62 Reisen à 3 Wochen sind gleich 186 Wochen oder fast vier Jahre. Dabei waren diese Reisen auch luxuriös teuer. Emil logierte natürlich nicht wie die eher mittellosen Auswanderer-Familien im fensterlosen Zwischendeck.

 

In Köln wird Emil wohl auch den Kaufmann Gustav von Mevissen gekannt haben; Mevissen betrieb einen Großhandel mit Textilien, und Emil war ja auch in dieser Branche tätig. Die „Kölnische Rückversicherungsgesellschaft“ wurde von Mevissen gemeinsam mit Emil Oelbermann gegründet. Mevissen hatte wahrscheinlich Kontakt zum Kaiserhaus, vielleicht aber sogar noch eher seine Frau Mathilde; Mevissen war Gründer der Kölner Handelshochschule und Präsident der Handelskammer. 

 

 

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Oelbermanns und die Kölner Juden

 

Es ist unbekannt, ob das Verhältnis der Familie Oelbermann zur jüdischen Gemeinde ein persönliches war. Doch gab es eine Geschäftsbeziehung im Rahmen eines Immobilien(ver)kaufs. 1893 erwarb die Synagogengemeinde von Oelbermanns das Grundstück an der Roonstraße, auf dem ab 1895 das heute noch existierende neoromanische jüdische Gotteshaus gebaut wurde. Ein engeres Verhältnis zwischen Oelbermanns und den Juden ist wenig wahrscheinlich, weil (vor allem) Laura sich schon im Zusammenhang der zwei großen christlichen Konfessionen nur für die Protestanten eingesetzt hatte. Diese eindeutige Parteinahme führte Anfang der 1930er-Jahre sogar dazu, dass evangelische Handwerker sich darauf beriefen, wenn sie beklagten, dass selbst bei gleicher Qualifikation für Arbeiten im Gebäude Oelbermann katholische Firmen beauftragt worden waren (nach der Akte Laura Oelbermann im Archiv des Evangelischen Stadtkirchenverbands) .

 

 

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Die Villa Oelbermann

 

Bei Hiltrud Kier und Werner Schäfke: „Die Kölner Ringe“ (Köln 1998) ist zu lesen (S. 22f.) : „In den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts tauchen in Köln die ersten Wohnhäuser im Stil der ´italienischen Renaissance´ auf. Der Rückgriff auf diesen Stil ist eng verbunden mit dem Namen des Architekten Hermann Otto Pflaume, der an der Berliner Bauakademie studiert hatte, Schinkelpreisträger war und seit 1856 als Baumeister der Eisenbahnverwaltung arbeitete. Sowie der gotische Stil bevorzugt von einem bestimmten Personenkreis vewendet wurde, bleiben auch die Bauten im Stil der Renaissance zunächst auf eine Schicht beschränkt: Es war der Geldadel, die Bankiers, Fabrikaten, Unternehmer, die Ansehen und Macht ihrer Funktion mit diesem Stil am besten auszudrücken dachten. An den Ringen baute Pflaume neben anderen Häusern auch das für Emil Oelbermann am Hohenstaufenring 57 . [Heute die Hausnummer 55; UWH]. Gemeinsame Merkmale dieser Bauten sind der rustizierte (Erdgeschoß-)Sockel, die zumeist übergiebelten Fenster der Beletage, der fast unvermeidliche Balkon oder Erker und der Figuren – oder Rankenfries unter dem abschließenden Kranzgesims.“

 

Eine Fotografie von Celia Körber-Leupold (S. 23) bildet das Gebäude detailgenauer ab als die im Internet frei verfügbare. Der Fries im dritten Stock zur Straßenseite ist, entsprechend den sechs Fenstern darunter, in sechs Felder aufgeteilt. In jedem Feld sitzen zwei Kinderfiguren einander gegenüber, die (Flöte) spielen. Im Zentrum eines jeden Feldes ist eine Rosette (Sonne?) zu sehen. Es handelt sich hier um ein „Puttenfries“ . Drei Kinderfiguren zeigt die Relieftafel an der Straßenseite der Vorhalle. Eine weitere Relieftafel hing im ersten Stock zwischen zwei Fenstern an der Südseite des Hauses; auf ihr kann man aber leider nichts mehr erkennen. Die zwei großen Skulpturen an der Straßenfront der Vorhalle sind männliche Gestalten. Eine scheint einen Helm zu tragen: Ist sie ein Krieger?

 

 

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Über das Wappen im „Oelbermann-Park“

 

Im Zentrum des Reliefsteins im Oelbermann-Park steht ein Wappen (die beiden Löwen links und rechts daneben haben jeweils eine Pfote auf das Wappen gelegt) , das drei senkrecht stehende Rechtecke enthält, zwei oben, eins unten. (Dass ein Motiv in einem Wappen dreifach erscheint, kommt häufiger vor.) Das gleiche Motiv zeigt auch das Wappen des alten schlesischen Adelsgeschlechts derer von Frankenberg; hier sind die Rechtecke rot, auf gelbem Feld. Die Legende sagt, dass sie auf den antiken griechischen Heerführer Aristomenes verweisen. Dieser wurde nach seiner Gefangenennahme zum Tode durch Verhungern verurteilt und dafür eingemauert. Er beobachtete einen Fuchs, der sich durch ein Loch in der Mauer zwängte, in der Hoffnung, seinen Hunger mit einem Leichenschmaus zu stillen. Aristomenes vergrößerte diese Öffnung durch Entfernen zweier weiterer roter Ziegelsteine und konnte sich so befreien.

 

Hatte es Kontakt zwischen Oelbermanns und der Familie von Frankenberg gegeben? Wieweit überschnitten sich Adel und Geldadel? Viktoria von Frankenberg z. B. , später Gräfin von Leyden, war eine geborene von Oppenheim. Die Stiftertafeln am Evangelischen Krankenhaus Weyertal lassen auf Kontakte schliessen. Und Emil Oelbermann könnte vielleicht Konten bei der Kölner Privatbank Sal. Oppenheim geführt haben. (Doch trotzdem: Das Wappen anderer zu verwenden, wäre ein „Copyright“-Verstoß gewesen!) Die Kölner, die einem „Robert Januarius von Frankenberg“ auf dem Melatenfriedhof ein Denkmal setzten und stifteten, dürften auch nicht gerade arm gewesen sein. Der Text auf der Tafel am Sockel lautet:

 

„Zum Andenken

an den

General der Infanterie

Robert Januarius

von Frankenberg.

Gouverneur von Köln in den

Jahren 1864–1873, geb. 28.

März 1807, gest. 16. Juni 1873,

Von Bürgern Cöln´s.“

 

[Die Zeilen stehen mittig untereinander.]

 

Der Zivil-Gouverneur von Frankenberg hatte auch mit dem Dombau zu tun. Preußisches Beamtentum, Kölner Katholizismus und die „upper class“ waren mehr oder weniger miteinander verbandelt. Der vor allem von Laura betonte Protestantismus dürfte in diesem Zusammenhang möglicherweise in den Hintergrund getreten sein. Der General R. J. von Frankenberg-Ludwigsdorf „war volksnah und in der Kölner Bürgerschaft beliebt, besonders weil er Zoo und Flora vor der Einebnung zu Verteidigungszwecken gemäß dem Festungsstatus der Stadt bewahrte.“ So Dr. Ruthard von Frankenberg in einem Gutachten.

 

Über das Wappen auf dem Reliefstein schreibt er: „Die leicht erhabene Gestaltung der drei senkrechten Rechtecke verdankt sich mangels Farben der plastischen Sichtbarmachung. Die überlieferte Deutung als Quader, bzw. wegen ihrer roten Farbe als Ziegel ist verständlich, aber unzutreffend. Rechtecke werden in der Heraldik als Schindeln bezeichnet. Es handelt sich unzweifelhaft und ausschließlich um den Schild der aus Schlesien stammenden Familie von Frankenberg mit der Blasonierung: In Gold drei rote Schindeln (2/1) … Auffällig sind die Schildform, die Schildhalter sowie das Fehlen einer Rangkrone. Die Schildform, sog. Rossstirnschilden gehören nur der italienischen Heraldik an und kommen in der Frührenaissance auf. Diese Spolie schmückte daher wohl ein Gebäude des Historismus, das wenigstens zum Teil Stilelemente der Neorenaissance aufwies. [Die Villa Oelbermann war ein Gebäude im Stil der italienischen Renaissance!; UWH] Schildhalter sind paraheraldisches Wappenbeiwerk und im niederen Adel im Unterschied zum Hochadel unüblich. Der obere Abschluss des Rossstirnschildes zeigt, dass es sich schon am Gebäude nicht um ein Vollwappen mit fest aufsitzendem Oberwappen aus Helm, Decken und Helmzier gehandelt hat, sondern um ein paraheraldisches „vereinfachtes Wappen“ , das aus dem Schild und einer in geringer Distanz darüber schwebende Rangkrone besteht.

 

Das Recht auf die Führung eines bestehenden Wappens leitet sich allein aus einer entsprechenden genealogischen Herkunft ab oder bei Frauen aus der Ehe mit einem führungsberechtigten Mann. Da Laura Oelbermann weder eine geborene, noch eine verheiratete von Frankenberg war, kann sie diesen Schild nicht rechtens geführt haben. Eine nähere verwandtschaftliche Beziehung von ihr zu einem Angehörigen der Familie von Frankenberg [hat] als ausgeschlossen zu gelten. Nach dem Vorangehenden muss der Wappenstein wohl zu einem anderen Bauwerk gehört haben als der Villa Oelbermann, Köln, Hohenstauffenring 57. Zunächst wäre es sinnvoll, den Stein fachmännisch freizulegen, zu reinigen und auszumessen, die Art des Gesteins zu bestimmen und nach einer Steinmetzmarke sowie nach Merkmalen seiner ursprünglichen Verwendung zu suchen. Anschließend wäre ein Fachmann für Architektur des 19. Jahrhunderts in Köln zu befragen, zu welchen Bauwerken diese Bauspolie mit ihrem im Stil der italienischen Renaissance gestalteten Wappendekor gehört haben könnte und welchem Zweck sie mutmaßlich diente.“ Dieser Stil zeichnete ja doch die Villa Oelbermann aus!

 

Fazit: Meine bisherige Annahme, der Reliefstein im Oelbermann-Park müsse wohl zur Oelbermann-Villa gehört haben, hat nach den Recherchen des Heraldikers R. von Frankenberg keinen Anspruch mehr auf Wahrscheinlichkeit. Umso rätselhafter ist es nun, wie der Stein mit diesem Wappen in den Oelbermann-Park gelangt ist. Übrigens könnte es sein, dass noch ein zweiter, ähnlich großer Stein, auf dem Gelände liegt, vollständig von Efeu überwuchert, so wie mittlerweile auch der in Rede stehende Reliefstein. (Meine Photos sind bereits etliche Jahre alt.) Leider gibt es meines Wissens keine Aufnahmen von der West- und Nordseite der Villa Oelbermann, wo möglicherweise weitere Reliefsteine vorhanden gewesen sein könnten.

 

 

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Über Lauras Wappen in Gerolstein

 

Dr. Ruthard von Frankenberg hat auch das Wappen von Laura Oelbermann im Mosaik der Erlöserkirche Gerolstein fachlich betrachtet und beschrieben: „Blasonierung (Beschreibung in knapper heraldischer Fachsprache, nach der ein kundiger Wappenkünstler das Wappen eindeutig darstellen kann): Schildhaupt: in Blau ein grünender, aus einem grünen Stabbalken wachsender Laubbaum, beidseits flankiert von einem goldenen gespreizten Kreuz. Darunter in Rot ein linksspringender Hirsch. Insgesamt folgt diese Wappendarstellung der damals noch jungen sog. heraldischen Rückbesinnung: Man verzichtete auf die überladenen und unheraldischen Gestaltungen aus der heraldischen Verfallszeit seit dem Barock und griff stattdessen auf die schlichte und klar stilisierende Formensprache der heraldischen Blütezeit bis zur Renaissance zurück. Umso mehr überrascht die doppelte Missachtung der heraldischen Farbregel, hier Blau, Grün, Rot … Vom mittelalterlichen Ursprung her sinnlos, werden spätere Wappen häufig auf Deutbarkeit entworfen. Hier liegen Deutungen gemäß der christlichen Ikonografie offenkundig nahe: Grünender Baum als Baum des Lebens (Genesis, Offenbarung des Johannes) oder stilisierter Ölbaum, in dem Fall wohl „sprechend“ (d. h. eine Anspielung auf Oelbermann); Kreuz; stilisierter Hirsch als Symbol Christi.“

 

Apropos „sprechend“: Ölbaum = Oelbaum, Oelbermann = Ölbermann wären die Entsprechungen. Vgl. dazu die Kapitel-Überschrift in meinem ersten Aufsatz: „Frau Oelber(g)mann …“.

 

 

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Laura als Frau und Mutter

 

In meinem ersten Aufsatz habe ich Lauras fraulich-mütterliche Seite hervor gehoben. Betont wird diese auch durch die Position der Oelbermann-Tafel in der Berliner Gedächtniskirche. Die Tafel befindet sich nämlich oberhalb der erwähnten symbolträchtigen Frauen-Figur. Auf der anderen Seite des Eingangs, unterhalb des floral geschmückten Mosaiks, dem Pendant zur Oelbermann-Tafel, steht das Relief eines Kriegers. Wenn Laura Einfluss auf die Wahl des Ortes ihrer Tafel gehabt hatte, dann hat sie sich mit der weiblichen Figur gegen die des Kriegers entschieden. (Die zwei Berliner Reliefs sind, ebenso wie die Grabskulptur Oelbermann in Köln, aus weissen Carrara-Marmor gehauen) .

 

Übrigens ist ja auch „der“ Engel auf Lauras Grab wohl nicht zufällig eine weibliche Gestalt, also eigentlich eine „Engelin“. Die Engelsfigur weist als weibliche auch auf das Rollenverständnis der damaligen Ehen und Haushalte hin: Die Frau hatte für ein trautes Heim zu sorgen. Und auf dem Grab verkörpert sie als betont weibliche Figur immer noch ein Stück dieser Heimeligkeit. Auf der Kölner Grabtafel wird Laura „Frau Emil Oelbermann“ genannt. Und selbst im Archiv der Mosaikfirma Puhl & Wagner in Berlin wird sie als „Witwe Emil Oelbermann“ geführt. Bis heute hat also ein altes Rollenverständnis von Ehefrau und -mann überdauert.

 

Wer die ca. 15 cm hohe kleine Engelsfigur am linken Fuß der großen Engelsfigur aufgestellt hat, ist ungewiss. (2007 hatten Mitarbeiterinnen des „Girlspace“ auf dem Grab eine große Schale mit frischem Grün aufgestellt. Vielleicht ist in diesem Zusammenhang ja auch der kleine Engel auf dem Grab eingezogen.) Auf vielen Gräbern finden sich solch kleine Engelsfiguren in den unglaublichsten Variationen – häufig eher oder klar kitschig. (Michael Mronz, Lebensgefährte von Guido Westerwelle, beendete kürzlich die inflationäre Aufstellung solcher Mini-Engel auf Guidos Grab komplett.) Der kleine Engel bei Laura hat ein Kind auf dem Schoß, das mit seiner linken Hand seinen Kopf stützt und seine rechte auf die linke Hand des Engels legt. Das Kind sitzt auf dem rechten Oberschenkel des Engels, der mit dem linken Bein auf dem Boden kniet. Seine rechte Hand hält das Kind an dessen rechter Schulter, seine linke Hand ruht auf dem linken Knie des Kindes. Das Kind hat die Beine leicht gekreuzt, das linke oben. Mit dem Gesicht neigt sich der Engel dem Kopf des Kindes zu. Für mein Empfinden zeigt sich in dieser Szene eine von emotionaler Sicherheit getragene vertrauensvolle Beziehung zwischen Engelsmutter und Engelskind. Dieses „Rumsteherle“ dürfte wohl vom Vorwurf des Kitschs freigesprochen werden können.

 

Bekannt ist, dass Laura fünf Söhne zur Welt brachte. Auf ihrer Berliner Familien-Gedächtnistafel ist von dreien die Rede: Nur drei Söhne hatten die ersten Lebensjahre überstanden. Eine glaubhafte Zeugin als Köln berichtet nach Mitteilung einer alten Dame aber auch von mindestens einer Tochter, die Laura geboren haben soll. (Sie soll irgendwann in Richtung Russland verschwunden sein.) Suchen könnte man im Taufregister der Antoniter-Kirche. Andererseits: Die Oelbermann-Sprösslinge sind ja wahrscheinlich in den USA auf die Welt gekommen. Das Personenstandsregister der Stadt Köln, das wohl auch Hinweise enthalten (haben) könnte, ist drei Wochen vor dem Einsturz des Stadtarchivs genau dort hin – und möglicherweise umgekommen. Auch von einer Schwiegertochter Lauras ist die Rede. Sie wurde von Laura geschätzt – soll aber auch schon jung gestorben sein.

 

 

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Zu Lauras Testament

 

Das Schriftstück wurde am 25. Januar 1928 aufgesetzt und befindet sich im Archiv des Evangelischen Stadtkirchenverbands. Als Berufsbezeichnung gibt Laura „Rentnerin“ an (na ja: „Rente“ und „Rendite“ kann man schon mal verwechseln …).

 

Hat Laura in ihrem Testament auch ihre Verwandtschaft bedacht, ihre angeheiratete und ihre Herkunftsfamilie? Gaben an diese Menschen scheint es von der großen Geberin nicht gegeben zu haben. Wohl aber sorgt sie für ihre Tiere. Sie verfügt: „Bei der Auflösung meines Haushalts soll mein Hund in der Familie … untergebracht werden, welche hierfür einen Betrag von Reichsmark 5000.- erhält; dieser erhöht sich um Reichsmark 1000.- , falls die Familie auch meine Katze übernimmt.“

 

Lebenden Verwandten hatte sie aber durchaus unter die Arme gegriffen. 1921 gründeten ihre Neffen, Karl und Robert Oelbermann, den „Nerother Bund“ , einen Zweig der Wandervogelbewegung. (Neroth ist eine kleine Ortschaft in der Vulkaneifel, nicht weit entfernt von Gerolstein.) Für den Kauf der Burg Waldeck im Hunsrück schoss Laura das nötige Geld zu; Waldeck wurde „Rheinische Jugendburg“.

 

 

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„Posaune“ oder nicht Posaune? Das ist hier die Frage

 

Welches Instrument hält die Engelsfigur auf der Grabstätte Oelbermann in der rechten Hand? Offensichtlich ein Aerophon; ein langes Rohr, kaum konisch sich weitend, mit einem nur kurz sich verbreiternden Schalltrichter; ein Instrument, dessen Tonerzeugung wohl der eines Blechblasinstruments entspricht. Allerdings fehlt ein dafür typisches Mundstück, an dem der Bläser seine aufgedrückten Lippen zum Vibrieren bringt und dadurch die Luftsäule im Rohr in Schwingungen versetzt. Auch sind an dem Rohr keine Löcher zu sehen, die bedeckt oder geöffnet werden könnten, so dass außer Natur-(Ober-)Tönen nicht die Tonhöhen einer diatonisch-chromatischen Skala erzeugt werden könnten. Luftöffnungen oder gar Ventilklappen würden das lange Rohr auch rein äußerlich beleben und strukturieren. Vielleicht um das auszugleichen, hat der Bildhauer ein Schmuckband drumherum drapiert.

 

Mit Bändern hat es der die Grabskulptur bildende Künstler überhaupt gehabt: Neben dem das lange Rohr umschlängelnden Band hat er die Frauenfigur nicht nur mit einem Busenband und einem eher ungewöhnlichen Hüftband versehen, sondern zusätzlich noch mit einem Band um den Kopf der Dame herum. Sie hat volles Haar, das im Nacken zu einem lockeren Knoten zusammengebunden ist. Und obwohl der üppige Haarschopf so zweimal gezähmt wird, fällt noch langes Haar bis auf die linke Schulter hinunter. Das Kopfband erhebt sich über der Stirn zu einer kleinen Spitze – eine Krone oder ein Diadem andeutend?

 

Das Instrument in der Skulptur wird üblicherweise Posaune genannt. Doch hat es wenig mit der heute bekannten Posaune gemeinsam. Es handelt sich um eine „Fanfaren- oder Heroldstrompete“. „Heralds trumpet [is the] name given in modern times to a med[ieval ] straight trumpet of a type illustrated in the 13th c[entury] , Cantigas de Santa Maria“ (Lit. 1) . Die Vorläufer waren antike „Blasrohre“ , so die „römische Tuba“ (2, S. 5) , ursprünglich ein etruskisches Militärinstrument (2, S. 15) . Die griechische „Salpinx“ (5. Jht. v. Chr.) wurde wohl auch rein militärisch genutzt. „ Äschylos beschreibt den Klang der Salpinx als ´schreiend´“ (2, S. 15) .

 

Die römische „Tuba/Fanfarentrompete, nach lateinisch ´tubus´ = Röhre… ist ein langes gerades Metallblasinstrument, das in einem Schalltrichter ausläuft. Sie gleicht der modernen Fanfare … Die römische Tuba wurde meist aus Bronze oder Eisen hergestellt und hatte ein Mundstück aus Metall, Knochen oder Horn“ (3, S. 47) . „Die Tuba war neben dem Cornu das wichtigste Instrument des Heeres.“ Ihren Klang „nennt Vergil ´terribilis´ , schrecklich, aber auch ´fractus ´ , ´gebrochen ´ ; Plinius vergleicht ihn mit dem Trompetengeschmetter der Elefanten“ ( 3, S. 48) . Im Monumentalfilm „Ben Hur“ (1959) ist eine ganze Phalanx von fünfzehn Fanfarenbläsern aufmarschiert; „sie markieren den Beginn eines Wagenrennens“ (4, S. 113).

 

Eine frühe Erwähnung finden die Fanfaren auch im Johannes-Evangelium. Bevor das letzte der sieben Siegel geöffnet wird, tritt eine halbe Stunde Stille ein, quasi die Ruhe vor dem Sturm. Danach bekommen sieben Engel sieben Posaunen. Ins gleiche „Horn“ stößt ein Trompetenengel sein Signal zum Jüngsten Gericht, der zwischen 1027 und 1087 an die Westwand der Basilika S. Angelo in Formis, in der Nähe von Capua, gemalt wurde (2, S. 40) . In Beato Angelico´s „Krönung der Maria“ , ca. 1425 bis 1440 entstanden (das Bild hängt in der Galleria degli Uffizi in Florenz) sind acht Engel zu sehen, die in ein solches Langrohr pusten (2, S. 76) . Auch in der alten Berliner Gedächtniskirche gab es einen Engel, der in eine solche Tube blies. Er gehörte zu den drei musizierenden Engeln im Wandmosaik links um die Ecke neben dem Apostel Petrus im Chorbogen. Abgebildet ist dieses Mosaik in „Momentum – Halbjahresschrift der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche Berlin“, Ausgabe 15, März 2017, auf S. 7 (zum Aufrufen des Online-Dokuments mit der Abbildung dem Link folgen). Dieses Bild ist möglicherweise das einzige noch existierende Farbfoto, das jemals im Kirchenschiff der Gedächtniskirche gemacht wurde!

 

Es gibt aber auch die außerhalb jeglicher musikalischer Kategorien liegende Deutung, bei dem Gerät in der rechten Hand der Engelsfigur handele es sich um ein Füllhorn, das, nun zu Boden gesenkt, als leer zu gelten habe: Alles ist ausgeschüttet. / Das Leben ist zu Ende. Was hat sich wohl Laura bei dem Gerät gedacht? Kaum wahrscheinlich, dass sie die Figur nicht mit geplant hat. Auf anderen Gräbern sind tatsächlich deutlich als solche erkennbare Füllhörner in die Figuren integriert. Sie haben keine Schalltrichter; das unterstreicht, dass es sich bei dem Gerät mit Schalltrichter auf Lauras Grab um ein Musikinstrument handelt. Diese Füllhörner, obwohl wie das Rohr auf dem Oelbermann-Grab fast senkrecht nach unten gerichtet, sind aber keineswegs leer. Im Gegenteil: Sie sind immer noch prall mit Blumen und Früchten gefüllt, die zwar aus der unteren Öffnung herausragen, aber entgegen dem Gesetz der Schwerkraft nicht herausfallen. Eigentlich ein Wunder: Der Überfluß bleibt auch nach dem Tod bestehen – eine Allegorie nicht christlicher Art auf die Überwindung des Todes? Und der Naturgesetze? Üblicherweise sind Füllhörner keine langen, geraden Tuben, sondern meist kürzer und gebogen. Seit der antiken Mythologie versinnbildlichen sie Fülle und Überfluss. Die nach unten gerichteten "Füllhörner" sind also aber schon deshalb eher keine, weil sie gerade verlaufen und nicht gebogen sind; vielmehr können die Tuben auch Fackeln verkörpern. Denn, was ihnen aus der Öffnung unten entweicht, gleicht eher züngelnden Flammen als Früchten und Blumen. Es sind wohl Fackeln, die dabei sind, auszubrennen - auch wieder ein Symbol für das Ende des Lebens: Das Feuer wird erlöschen.

 

Übrigens ist der Topos der Oelbermann´schen Todesposaune genau so auch auf anderen Gräbern in der Nähe von Lauras Grab zu finden. Die Fanfare macht die Engelsfigur zu einem Todesengel, einem Genius des Todes. Echte Kölner nennen das Gerät schonmal spontan „Tröt´“. Dabei wird das „ö“ als dunkler Vokal, als offenes „ö“ (lautsprachlich „œ“ ausgesprochen, wie in „Köln“, aber als langer Vokal, wie in „œvre“).

 

Das Grabmal der Oelbermanns wurde bereits 1897 nach dem Tod des Ehemanns in Auftrag gegeben. Entworfen wurde es von Düsseldorfer Künstler Karl Ludwig Rudolf Janssen. Er gilt als charakteristischer Vertreter des Neubarock im Rheinland. Zur Entstehungszeit der Skulptur passt die Frisur der Dame; sie richtet sich nach der Haarmode im Jugendstil. Ansonsten ist sie im weitesten Sinne antikisch gestaltet; auch die mehrfach angebrachten Bänder passen dazu. Die Kopfhaltung und die lange Trompete lassen bei Lauras Engelsfigur, die ja bis zum 2. Weltkrieg weit ihre Flügel schwang, aber auch an die geflügelte „Fama“ denken, Allegorie des Ruhmes und der Ehre bei den Römern. In der antiken Mythologie ist die Fama (griechisch „Pheme“) die Personifikation des Gerüchts, des Rufs und der Sage; sie hat ihr Reich zwischen Himmel und Erde. Nach Sophokles ist sie eine Tochter der Hoffnung. Im Mittelalter und seit der italienischen Renaissance verkörpert die Göttin vor allem irdischen Ruhm.

 

In Dresden steht sie vergoldet auf einer Kugel, welche die Glaskuppel über einem Oktogon zwischen Kunstakademie und Sächsischem Kunstverein krönt – halt zwischen Himmel und Erde. Sie steht nur mit dem linken Vorderfuß auf der Kugel; das rechte Bein ist nach hinten angehoben: So wirkt sie tänzerisch und leichtfüßig. In der rechten Hand hält sie eine lange Trompete, steil nach oben gerichtet, in der linken einen Lorbeerkranz. (Die Göttin des Sieges, „Victoria“, wird verschiedentlich ähnlich dargestellt, so z. B. als „Goldelse“ auf der Siegessäule in Berlin. Ähnliche weibliche „Säulenheilige“ stehen auch in München, Paris und Mexiko-Stadt.) Die stolz in die Luft zeigende Fanfare der Fama macht diese zum Gegenstück einer zum Boden gerichteten Todesposaune, so wie auf Lauras Grab. Denn diese hingegen verweist auf das Ende des Lebens.

 

Im 20. Jahrhundert bekommt der Begriff „Todesposaune“ eine neue, dämonische Bedeutung; Todesposaune wird eine teuflische Militär-Maschine genannt: Sie sendet starken Infraschall aus, dessen Druckwellen ungeheure Zerstörungen bewirken.

 

Literatur
1) Sibyl Marcuse: Musical Instruments - A Comprehensive Dictionary. New York 1964
2) Edward Tarr: Die Trompete - Ihre Geschichte von der Antike bis zur Gegenwart. Bern 1977
3) Friederike Naumann-Steckner und Susanne Rühling: Die Tuba. In Friederike Naumann-Steckner (Hg.): Lyra, Tibia, Cymbala … Musik im römischen Köln. Katalog zur Sonderausstellung im Römisch- Germanischen Museum, Köln 2013
4) Berthold Bell: Wie klingt das Römische Reich im Film? In Friederike Naumann-Steckner, a. a. O.

 

 

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Zum Zustand der Grabstätte Oelbermann

 

Dass der Grabanlage eine Auffrischung gut tun könnte, ist augenscheinlich. (Auf dem schweren Tuch über dem Sarkophag links neben der Frauengestalt wurde 2018 der Versuch unternommen, den Marmor mit Sandstrahlgebläse auf einer Fläche ca. 50 x 50 cm wieder weiß zu waschen – hier mit Erfolg.)

 

Seit 2007 bemüht sich ein Angehöriger der Familie aus der weiteren Verwandtschaft um eine Verbesserung des status quo. Seine Korrespondenz erwähnt folgende Personen und Institutionen:

- einen Pfarrer der Evangelischen Gemeinde Köln, zuständig für die Emil und Laura Oelbermann-Stiftung,

- einen Vertreter des Evangelischen Verwaltungsverbands Köln-Nord, zuständig für den Melatenfriedhof,

- die Grabpflege-Firma „Grün an Melaten“,

- die Vertreterin des städtischen Amts für Landschaftspflege und Grünflächen sowie

- die Verwaltungsleiterin des Evangelischen Stadtkirchenverbands, die auch dem Vorstand der Emil und Laura Oelbermann-Stiftung angehört. (Nach meinen Informationen hatte sich die Evangelische Gemeinde Köln auch schon an eine Steinmetz-Firma an Melaten gewandt.)

 

Also: Viele Kölner „Köche“ sind beteiligt.

 

Die Korrespondenz lässt keine Zufriedenheit aufkommen. Doch hat am 8. Juli 2019 eine wichtige Sitzung des Stiftungsrats stattgefunden. Dabei wurde beschlossen, dass sich beide Stiftungen an den Kosten für die Sanierungsarbeiten der Oelbermann-Grabstätte beteiligen. Auf Grund dieses Beschlusses will nun der Vertreter des Evangelischen Verwaltungsverbands Köln-Nord konkrete Maßnahmen in die Wege leiten: Zunächst soll eine Grundreinigung mittels Sandstrahlgebläse erfolgen, danach soll die Begrünung erneuert und anschließend auch eine Gedenktafel angebracht werden.

 

Der Vertreter des Evangelischen Verwaltungsverbands Köln-Nord hatte bereits 2018 bei einer Begehung des Grabes verlauten lassen, dass unabhängig von einer Sanierung an die Aufstellung einer Gedenktafel für Laura an der Grabstätte gedacht werden müsse. Hier meine Vorschläge für eine Inschrift:

 

„18. Mai 2021,

175. Geburtstag von Laura Oelbermann;

große Stifterin im evangelischen Köln,

Mäzenin für Kirchen Wilhelms II. in

Berlin, Gerolstein und Jerusalem"

 

oder

 

„Laura (von) Oelbermann

geb. 18. Mai 1846 gest. 03. Juni 1929

große Stifterin im evangelischen Köln,

Mäzenin für Kirchen Wilhelms II. in

Berlin, Gerolstein und Jerusalem“

 

Vielleicht lässt sich ja auf diese Weise anderes Versäumte wieder gut machen! Der Vertrag mit der Stadt Köln „über die Unterhaltung meiner Familiengräber“ soll laut Lauras Testament so ergänzt worden sein, „daß die Gräber am Allerheiligentag [hier wird sie doch mal überkonfessionell; UWH] , am Totensonntag und am Sterbetag jedes einzelnen Familienmitgliedes geschmückt werden.“ Das wären sieben Termine im Jahr! Die sind wohl nicht eingehalten worden – und sie lassen sich vielleicht auch nicht einhalten.

 

Zum 90. Todestag von Laura Oelbermann am 3. Juni 2019 fanden aber durchaus Ehrenbezeugungen statt. Drei junge Leute, die am 2. Juni auf dem Friedhof nach bedeutenden Persönlichkeiten suchten, konnte ich dazu bewegen, drei Rosen am Fuß der Skulptur niederzulegen. Auch ich versah das Grab am 3. Juni mit drei Objekten:

 

- einer weißen Rose aus Eisen ( auf dem Mauerbeginn links liegend),

 

- einer goldmetallic-farbenen Rose ( am Fuß der Skulptur stehend) und

 

- einer grauen Schale (auf dem Mauerbeginn rechts stehend) , in der eine elfenbeinfarbene Keramik-Kugel liegt. Die Schale ist floral gestaltet; sie besteht aus nach oben gerichteten Blättern, die sich zu einem Gefäß zusammenschließen. Das Objekt symbolisiert das Aufgehobensein in einer bergenden (Gottes-) Hand.

 

 

Zum Kaufmann Emil Oelbermann | Oelbermanns und die Kölner Juden | Die Villa Oelbermann | Über das Wappen im "Oelbermann-Park" | Über Lauras Wappen in Gerolstein | Laura als Frau und Mutter | Zu Lauras Testament | "Posaune" oder nicht Posaune? Das ist hier die Frage | Zum Zustand der Grabstätte Oelbermann | Geheimnisvoller Fund in der Grabstätte Oelbermann

 

 

Geheimnisvoller Fund in der Grabstätte Oelbermann

 

Im Herbst 2019 begann die Sanierung der Grabstätte. Die steinernen Mauern mitsamt den Grabplatten sowie die Skulptur wurden sandgestrahlt. Dies mit feinem, rötlichem Sand, der dem Rotsandstein ähnelt, der im südwestlichen Mitteleuropa verbreitet ist. Wo der Strahl-Sand genau herkommt, bleibt aber Betriebsgeheimnis der Steinmetzfirma. Auch wurde das bisherige Grün aus Efeu entfernt.

 

In dem nun nackten Erdreich steckten im Oktober 2019 Bruchstücke einer Marmorplatte (oder mehrerer?) mit Resten von eingravierten Nummern und Buchstaben, z.T. vergoldet. Eine der Zahlen lautet "No 40". Die wenigen erkennbaren Wortreste sind zu kurz, um leicht gedeutet werden zu können. Am interessantesten ist ein Bruchstück, auf dem zu lesen ist: "REUSSEN" und "Telegr. Ab". Die Marmorteile werden wohl schon seit langem unter dem Efeu verborgen gelegen haben. Die Abkürzung des Numero 40 deutet auf eine Vergangenheit hin, die durchaus vor dem Ersten Weltkrieg liegen könnte. Schließlich ist die Grabstätte ja schon zu Kaisers Zeiten angelegt worden, nach dem Tod von Emil Oelbermann 1897.

 

 

Laura Oelbermann kompakt | Fortsetzung | Rätsel

 

 

Laura Oelbermann – Rätsel, die sich um sie ranken

 

1. Lauras mißratener Sohn | 2. Hatte Laura eine Tochter? | 3. Das Wappen derer von Frankenberg | 4. Marmorfunde auf dem Oelbermann-Grab | 5. Geburten und Tode in der Familie Oelbermann | 6. Trieb Emil Oelbermann auch Handel mit Sklaven? | Literatur | Exkurs

 

Die Kölner Kaufmannswitwe Laura Oelbermann war eine der reichsten Personen in der Stadt; sie starb 1929. Streng evangelisch, stiftete sie Teile ihres Vermögens für etliche evangelische Einrichtungen in Köln. Eng verbunden mit der Kaisergemahlin Auguste Viktoria gab sie auch große Gelder für drei Prestige-Objekte Wilhelms II.: Kaiserkirchen in Berlin, Gerolstein und Jerusalem. Sie ist „verdienstvolle Bürgerin“ und ihre Grabstätte infolgedessen ein Pflegegrab der Stadt Köln. Diese hat die Verpflichtungen, die ihr Laura mit ihrem Testament aufgetragen hatte, nämlich die regelmäßige Schmückung des Grabs an bestimmten Jahrestagen, nicht eingehalten. Der weisse Carrara-Marmor der Mauern und der Skulptur war bis zum Sommer 2019 von einem schmutzig – grünlichen Belag bedeckt. Über das Grab neigen sich zwei Bäume, die, besonders im Herbst, freigebig Grün und Braun spenden: ein dunkelgrüner Nadelbaum und eine Kastanie. Im Herbst 2019 erfolgte eine Sanierung des Grabs, finanziert durch die zwei Oelbermann-Stiftungen bei der evangelischen Kirche Köln. Im Verlauf meiner Recherchen über Laura Oelbermann und ihr Familiengrab stieß ich auf mehrere geheimnisvolle Sachverhalte und Merkwürdigkeiten.

 

Die Oelbermann-Gedächtnistafel in Berlin. (Foto: Dag Peter Oelbermann)

 

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1. Lauras mißratener Sohn

 

In der Eingangshalle im Turm der alten Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche gibt es eine Mosaiktafel, die 1906 dort im Tonnengewölbe angebracht wurde, mit der Laura Oelbermann ihres verstorbenen Ehemanns und der ebenfalls verstorbenen Söhne gedenkt (1). Der Ehemann Emil war bereits 1897 verstorben, und der letzte Sohn, Alfred, folgte ihm 1904 nach. Auf der Oelbermann-Gedächtnistafel in Berlin ist von drei Söhnen die Rede. Tatsächlich hatte sie fünf Söhne geboren; zwei überlebten jedoch das Kleinstkindalter nicht. Die drei anderen wurden auch nur ca. 20 oder 30 Jahre alt. Alfred war im Unterschied zu seinen zwei die frühe Kindheit überlebenden Brüdern kein erfolgreicher Geschäfts-, sondern ein Lebemann. Er verprasste Geld, erwirtschaftete aber kein neues. Er war ein Müßiggänger und führte ein Lotterleben. Der Heimatdichter F.J. Schneider hat Alfred 1948 in einer Erzählung charakterisiert: „Er hatte nie versucht, das Vermögen des Vaters durch irgendeine Arbeit oder ein Unternehmen zu vermehren, sondern sich nur nach Kräften bemüht, es zu verstreuen. Aber seine Verschwendungssucht, seine maßlose Ergebung an den Trunk [...] genügten nicht, um die Habe, über er persönlich verfügte, auch nur merkbar zu schwächen“ (2, S. 67). Seine Mutter schickte ihn auf Brautsuche und er fand die Arzttochter Frances Josefine Simrock aus Bonn, genannt Josie; 1903 wird geheiratet. Das kulturelle Bonn ist ohne die Familie Simrock nicht zu denken. Schon ein Nikolaus Simrock, von Beruf Waldhornist, war ein Freund Beethovens. 1793 gründete er den Musikverlag Simrock. Über fünf Generationen prägten Mitglieder der Familie die Geschichte des Verlags. Ein Karl Simrock war Dichter und Philologe. Ein Karl Josef Simrock erhielt den ersten germanistischen Lehrstuhl an der Universität Bonn.

 

Laura versorgte ihren Sohn aber nicht nur mit einer Ehefrau; 1901 hatte sie ihm auch ein Herrenhaus gekauft und prachtvoll eingerichtet, den „Hagerhof“ in Honnef. Sie wollte, dass er sittsam und seßhaft werde. „Sie wollte dem innerlich haltlosen Sohne, dem die nächtliche Großstadt beste Stube war, dessen Hang nach unten zum Drastischen hinab glitt, dessen Zunge mit dem Kölner Straßenjargon sehr vertraut war, in der ländlichen Stille ein anderes Zuhause geben“ (2, S. 67). An anderer Stelle liest man: Laura Oelbermann „erwirbt den Hagerhof, um Alfred, dessen Lebenswandel als anrüchig gilt und ihr Kummer und Sorgen bereitet, sesshaft [zu] machen und einer, wie sie hofft, ihn ausfüllenden Aufgabe zuzuführen. (Drastisch ist dieser Lebenswandel beschrieben in einer sog. `Tatsachenreportage` in einer Bonner Zeitung aus dem Jahr 1958.)“ (3, S. 55). Doch Alfred starb bereits 1904, 29-jährig, wahrscheinlich an Syphilis. Hatte er seine Frau Josie, die nun Erbin des Gutes Hagerhof wird, angesteckt? Fünf Jahre später starb sie auch, offiziell an Lungen- und Gehirnentzündung. Die Geschichte von Alfred und Josie ist kein Geheimnis; sie ist erforscht und beschrieben (2/3).

 

Bei Wikipedia findet sich eine Geschichte des Hagerhofs. Danach hat 1854 der aus Elberfeld stammende Färbereibesitzer Abraham Weyermann das Gut gekauft. Sein Sohn ließ Mitte der 1860er Jahre das Haus im Stil der englischen Gotik zu einem Herrenhaus ausbauen. Von 1927 bis 1939 war das Gebäude im Besitz des Barmer Seidenfarikanten Martin Hölken. Verwunderlich: In dieser Geschichte fehlt vollkommen der Zeitraum, in dem das Anwesen Oelbermannscher Besitz war. Heute ist das „Schloss“ Hagerhof nach eigener Darstellung das einzige Internat, dass nach den Grundsätzen von Maria Montessori geführt wird.

 

1. Lauras mißratener Sohn | 2. Hatte Laura eine Tochter? | 3. Das Wappen derer von Frankenberg | 4. Marmorfunde auf dem Oelbermann-Grab | 5. Geburten und Tode in der Familie Oelbermann | 6. Trieb Emil Oelbermann auch Handel mit Sklaven? | Literatur | Exkurs

 

2. Hatte Laura eine Tochter?

 

Das erste Rätsel besteht darin, dass zwei Personen aus Köln unabhängig voneinander meinen, Laura habe auch eine Tochter zur Welt gebracht. Eine dieser Personen ist ein entfernt verwandter Nachfahre der Familie Oelbermann, die andere eine Kölnerin, Gründerin des „Kölner Frauengeschichtsvereins“. „Eine Tochter verliert sich – vermutlich nach einer Liaison – im Nebel“ (4, S. 144). Eine Frau im katholischen Frauenbund, die im Herbst 2019 verstarb, soll nach Mitteilung von Irene Franken mit Lauras Tochter befreundet gewesen sein. Die Tochter soll in Bayern gelebt haben. Hierzu könnte noch recherchiert werden, z. B. im Taufbuch der Antoniterkirche in der Kölner City oder im Personenstandsregister beim Landesarchiv in Duisburg.

 

1. Lauras mißratener Sohn | 2. Hatte Laura eine Tochter? | 3. Das Wappen derer von Frankenberg | 4. Marmorfunde auf dem Oelbermann-Grab | 5. Geburten und Tode in der Familie Oelbermann | 6. Trieb Emil Oelbermann auch Handel mit Sklaven? | Literatur | Exkurs

 

3. Das Wappen derer von Frankenberg

 

Im Parkgelände hinter dem ehemaligen Palais der Oelbermanns am Hohenstaufenring in Köln liegt, mittlerweise vollständig vom Efeu überwuchert, ein großer Reliefstein. Im Zentrum des Reliefs steht ein Wappen, dass von zwei Löwen links und rechts eskortiert wird, die das Wappen halten. „Eigentlich waren Löwen als Schildhalter dem Hochadel vorbehalten“ (5). Das Wappen enthält drei erhabene Rechtecke, zwei oben, eins unten (6). „Rechtecke werden in der Heraldik als Schindeln bezeichnet [...] Schindeln sind ein sehr altes Motiv; seit dem Mittelalter kommen sie nur noch selten als bestimmende Schildbilder vor [...] Es handelt sich unzweifelhaft und ausschließlich um den Schild der aus Schlesien stammenden Familie von Frankenberg mit der Blasonierung: in Gold drei rote Schindeln (2/1) [...] Auffällig sind die Schildform, die Schildhalter sowie das Fehlen einer Rangkrone. Die Schildform, sog. Rossstirnschilde, gehören nur der italienischen Heraldik an und kommen in der Frührenaissance auf. Diese Spolie schmückte daher wohl ein Gebäude des Historismus, das wenigstens z. T. Stilelemente der Neorenaissance aufwies. Schildhalter sind paraheraldisches Wappenbeiwerk und im niederen Adel im Unterschied zum Hochadel unüblich. Der obere Abschluss des Rossstirnschildes zeigt, dass es sich schon am Gebäude nicht um ein Vollwappen mit fest aufsitzendem Oberwappen aus Helm, Decken und Helmzier gehandelt hat, sondern um ein paraheraldisches ‚vereinfachtes Wappen‘, das aus dem Schild und einer in geringer Distanz darüber schwebenden Rangkrone besteht. Das Recht auf die Führung eines bestehenden Wappens leitet sich allein aus einer entsprechenden genealogischen Herkunft ab oder bei Frauen aus der Ehe mit einem führungsberechtigten Mann. Da Laura Oe. weder eine geborene noch eine verheiratete von Frankenberg war, kann sie diesen Schild nicht rechtens geführt haben [...] Eine nähere verwandtschaftliche Beziehung von Laura Oe. zu einem Angehörigen der Familie von Frankenberg [hat] als ausgeschlossen zu gelten [...] Nach dem Vorangehenden muss der Wappenstein wohl zu einem anderen Bauwerk gehört haben als der Villa Oelbermann [...] Zunächst wäre es sinnvoll, den Stein fachmännisch freizulegen, zu reinigen und auszumessen, die Art des Gesteins zu bestimmen und nach einer Steinmetzmarke sowie nach Merkmalen seiner ursprünglichen Verwendung zu suchen. Anschließend wäre ein Fachmann für Architektur des 19. Jahrhunderts in Köln zu befragen, zu welchen Bauwerken diese Bauspolie mit ihrem im Stil der italienischen Renaissance gestalteten Wappendekor gehört haben könnte und welchem Zweck sie mutmaßlich diente“ (5).

 

Ein General Robert Januarius von Frankenberg-Ludwigsdorff, evangelisch, wurde 1864 Stadtkommandant von Köln, 1870 Gouverneur der Festung Köln. „Er war volksnah und in der Bürgerschaft beliebt, besonders weil er Zoo und Flora vor der Einebnung zu Verteidigungszwecken gemäß dem Festungsstatus der Stadt bewahrte“ (5). Auf dem Kölner Melatenfriedhof ist sein Grabdenkmal als Marmor-Standbild noch gut erhalten. Die anfangs naheliegende Vermutung, der Reliefstein im Oelbermann-Park stamme von der abgerissenen Oelbermann- Villa, ist also fraglich; eher mysteriös mutet nun die Geschichte an (7).

 

Allerdings: Gekannt haben dürften sich die Familien schon! „Die Bankteilhaberin Victoria geb. Freiin von Oppenheim war von 1890 bis 1915 eine verheiratete von Frankenberg und Ludwigsdorff. [...] Vicky war die Tochter des Freiherrn Eduard Salomon, dessen Familie die Kölner Privatbank Sal. Oppenheim gehörte [...] Salomon und seine Frau Amalie Auguste, geb. Heuser, spendeten für das Evangelische Krankenhaus Weyertal [...] Auch die vermögende Vicky, die 1859 vom jüdischen zum evangelischen Glauben gewechselt war, dürfte für soziale Einrichtungen ihrer Heimatstadt gespendet haben“ (5). Die Stiftertafeln am Krankenhaus Weyertal enthalten die bisher genannten Namen (1). Auf ihnen werden Familien aus der reichen evangelischen Oberschicht in Köln erwähnt. Der General von Frankenberg gehörte der gleichen Konfession an – derjenigen, die von Laura Oelbermann im (eigentlich ja eher) katholischen Köln so entschieden vertreten wurde.

 

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4. Marmorfunde auf dem Oelbermann-Grab

 

Im Herbst 2019 wurde die Grabstätte der Familie Oelbermann auf dem Friedhof Melaten komplett saniert. Seit 2007 hatte sich der schon erwähnte Oelbermann-Nachfahre aus Köln darum bemüht. Bei Wikidepia wird vermeldet, dass Grab sei „2009 umfassend instandgesetzt“ worden. Ob das stimmt? Was sicher vor 2010 am Grab geschah: Eine Gruppe von Mädchen und jungen Frauen vom „girlspace“, einer evangelischen Medien- und Internet-Beratungsstelle, finanziert durch eine Oelbermann-Stiftung, hat 2007 eine große Schale mit weißen Blumen auf das Grab gestellt. Die gibt´s aber nicht mehr; sie hat wohl nur ein Jahr vor Ort überstanden. 2009 soll, ebenfalls vom „girlspace“ veranlasst, das Gestein im Grab gereinigt worden sein (8, S. 18). Der Kölner Oelbermann-Nachfahre, der das Grab seit 2007 im Blick hat, meint dazu: „Nach meinen Beobachtungen und Erinnerungen trifft das aber nicht zu“. 2019 hat das evangelische Köln jedenfalls schnell und entschlossen gehandelt.

 

Im Oktober 2019 wurde der alte Efeu im Grab entfernt. In dem nun nackten Erdreich kamen etliche Bruchstücke von zerbrochenen Marmorplatten zum Vorschein. Den Farbtönen nach scheinen sie von zwei verschiedenen Platten zu stammen. Auf den Bruchstücken sind Buchstaben, Silben und Zahlen zu lesen.

 

Ein „Trio“ von Bruchstücken. (Foto: Irena Oelbermann) Das damalige „Internet“ in Preußen. (Foto: Irena Oelbermann)

 

Die Schreibweise der Numeros verweist auf ein gewisses Alter der Marmorteile. Den eingravierten Zeichen lässt sich meist kaum ein Sinn entnehmen, z. B. bei „rensew“, „bris“, „eintges“ und „ewinns“. Am ehesten deutbar ist „REUSSEN“, kombiniert mit „Telegr. Abt. No. 5“.

 

Welches Geheimnis verbirgt sich hinter den Funden auf dem Grab? Wann und warum gelangten sie dorthin? Es muss wohl geschehen sein, bevor der kürzlich weggenommene Efeu seinerzeit gepflanzt wurde. Darüber sowie über das Wappen im Oelbermann-Park wurde die Stadt Köln informiert.

 

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5. Geburten und Tode in der Familie Oelbermann

 

Es fällt auf, dass alle Männer im engen Umkreis von Laura (eher) früh dahingeschieden sind. Der Sohn, der das „höchste“ Lebensalter erreichte, war Alfred; er starb mit 29 Jahren. Seine Brüder wurden 20 und 28 Jahre alt. Warum starben auch diese beiden so früh – noch jünger als ihr Bruder Tunichtgut? Mindestens einer soll geschäftlich sehr erfolgreich gewesen sein, denn er vererbte seiner Mutter mindestens eine Million Reichsmark. Daher soll die Summe gekommen sein, die Laura 1906 für die Auguste Victoria-Stiftung auf dem Ölberg in Jerusalem gestiftet hat.

 

Laura erlebte in ihrer engsten Familie sieben Todesfälle (die Schreibweise der Eigen- und Ortsnamen folgt derjenigen auf den Tafeln im Grab): Ein Emil starb 1870, kaum mehr als ein Jahr alt, Paul, keine zwei Monate alt, 1871. Emil Oelbermann JR, geb. zu New-York im Sept. 1872, starb im März 1901 zu Nervi, einem Stadtteil von Genua. Alfred, geb. zu Köln im Dezember 1874, starb zu Constanz im Juni 1904. Harry, geb. zu Long-Branch-Amerika im August 1877, starb im Oct. 1897 zu Ajaccio Corsica. Fünf Monate vorher war auch der Vater Emil verschieden, mit nur 63 Jahren.

 

Die Jahre, in denen Laura das Sterben engster Angehöriger verschmerzen musste, waren: 1870, 1871, 1897 (sogar zweimal), 1901 und 1904. Und 1909 ging auch das Leben ihrer Schwiegertochter Josie zu Ende. Danach lebte Laura noch 20 Jahre. Eine familienbiografische Analyse würde sich im Falle Laura Oelbermanns wohl lohnen (9)!

 

1866 (nach Irena Franken) oder 1868 (nach Wikipedia) hatte Laura Hochzeit gehalten. Ihre fünf Söhne gebar sie in den Jahren 1869, 1871, 1872, 1874 und 1877. Laura bekam also alle Söhne in einem Zeitraum von nur acht Jahren! Den ersten Sohn (der kaum länger als ein Jahr überlebte) bekam sie mit 23, den letzten mit 31.

 

1878 kehrten Oelbermanns aus New York wieder nach Köln zurück. Da waren alle Söhne schon geboren. In den acht Jahren, in denen die Söhne zur Welt kamen, bleibt kaum Zeit für eine weitere Schwangerschaft, die in die Geburt eines Mädchens mündet. Die eventuelle Tochter muss also wohl nach 1878 in Köln das Licht der Welt erblickt haben. (Es sei denn, Laura verbarg die Geburt in ihrer Heimatstadt, indem sie zur Entbindung einen anderen Ort als Köln wählte.)

 

Emil war ca. 25, als er 1858 in die USA auswanderte. Vater seiner Söhne wurde er, als er zwischen (knapp) 36 und 44 alt war. Danach zeugte er offiziell kein Kind mehr – oder doch noch eine Tochter? Immerhin liegen zwischen der Geburt seines letzten filius und seinem eigenen Tod noch 20 Jahre. Wenn er vor November/Dezember 1876, als er seinen letzten Sohn Harry zeugte, doch so rege und erfolgreich sexuell aktiv war: Was war ab 1878 in Köln los, bzw. eben nicht mehr? Honi soit qui mal y pense ... Hatte das Ehepaar nach seiner Rückkehr aus den USA, und nachdem zwei Kinder im Kindsbett gestorben waren, sich auf die drei überlebenden Söhne konzentriert? (Auf der Berliner Familien-Gedächtnistafel erwähnt Laura ja auch nur drei Söhne.)

 

Wusste Laura, als sie Josie mit Alfred „verkuppelte“, von dessen Krankheit? Hatte sie und/oder hatte Alfred Josie vor der Hochzeit reinen Wein eingeschenkt? Welches Lied wurde ihr gesungen? Es scheint ein Ruch diese Familienzusammenführung begleitet zu haben. Könnte diese eher makabre Liebesromanze einen Schatten auf Lauras Integrität werfen? Josie war 19 Jahre alt, als sie Alfred heiratete; bereits ein Jahr später wurde sie Witwe; fünf Jahre später starb sie selber – mit nur 25. War sie ein Opferlamm geworden?

 

 

Die drei Brüder, die ihre Kindheit gesund bewältigt hatten, waren Emil Oelbermann JR, Alfred und Harry. Alfred, der diese Welt in Köln betrat, kann als „escht Kölsche Jung“ bezeichnet werden. Seine Brüder, auf amerikanischen Boden geboren, hatten wahrscheinlich die US-Staatsbürgerschaft. Wie waren eigentlich die Staatsangehörigkeiten der einzelnen Familienmitglieder überhaupt geregelt? Emil erhielt im Jahre 1860 die amerikanische Staatsbürgerschaft. Laura gab 1906 ihre amerikanische Staatsangehörigkeit zurück. Wie auch immer – Alfreds zwei Brüder schafften es in Köln nicht, länger zu leben als dieser. Obwohl sie sich wahrscheinlich nicht (in dem Maße) in der Kölner Halb- und Unterwelt herumtrieben wie Alfred; jedenfalls ist darüber nichts bekannt. Überhaupt ist über die Beiden wenig bekannt; vielleicht lohnt sich eine Suche bei der Industrie- und Handelskammer bezüglich ihrer Geschäftstätigkeiten. Doch: wie war wohl das Verhältnis unter den Brüdern privat? Und: „Wie hältst du`s mit der Religion?“ Denn die Brüder, auch der zwielichtige Alfred, mussten bei ihrer so evangelischen Mutter doch ebenso evangelisch getauft und erzogen worden sein. Bei Alfred könnte aber gelten: Protestantismus schützt nicht vor Prostitution – unabhängig von der Gretchenfrage. Und so wurde Josie in Mitleidenschaft gezogen.

 

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6. Trieb Emil Oelbermann auch Handel mit Sklaven?

 

A. Bölke (8) verschiebt Lauras Sterbedatum um drei Monate. Auch kolportiert sie das Gerücht, Lauras Ehemann Emil sei in den USA am Sklavenhandel beteiligt gewesen. Der Kölner Pfarrer i. R. und Autor Klaus Schmidt hat das Gerücht ebenfalls mehrfach verbreitet. Meines Wissens gibt es aber keine Belege dafür; Irene Franken (4) erwähnt den Begriff gar nicht. Auch der langjährige Archivar beim Ev. Stadtkirchenverband spricht von einem Mythos. Es ist kaum denkbar, dass der evangelische Mann einer fanatisch evangelischen Ehefrau in solche Geschäfte verwickelt gewesen sein sollte. Emil Oelbermann hatte außergewöhnlich große Geschäftserfolge; entsprechend groß war sein Reichtum. Es darf vermutet werden, dass die Legende vom Sklavenhandel von Neidern in die Welt gesetzt wurde. Man vergesse nicht: Eigentlich war Emil ja ein „Parvenu“, und ein solcher wird vielleicht eher unmutig in die Kreise der Altreichen und Stadt-„Adligen“ aufgenommen. Zurückhaltender formulieren Isabel Arends u.a.: „Der Reichtum der Oelbermanns [ist] legendär. Man spricht nicht nur vom Textilhandel, sondern hinter vorgehaltener Hand auch vom Sklavenhandel. Aber es war wohl mehr sein [Emils] geschäftlicher Weitblick und seine unermüdliche Tatkraft, die ihn so reich werden ließen“ (3, S. 53). Neben den vielen Geschäften, die er betrieb und den Jobs in der Versicherungsbranche, war er z. B. zusätzlich noch Präsident aller nordamerikanischen Feuerversicherungen. Emil war der wichtigste Promotor für die Steigerung des Handelsaustauschs zwischen Deutschland und USA. Immerhin reiste er bereits als 18-jähringer 1851 zum ersten Mal über den Großen Teich . Soweit die Geschichte von Geschäften mit Sklaven einer beweisbaren Grundlage entbehrt, handelt es sich bei einer solchen Mitteilung um eine Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener.

 

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Literatur
1. Udo W. Hombach: Die Kölner Mäzenin Laura Oelbermann: Geld gab sie für Gutes und Göttliches gar, Spenden in Köln und Jerusalem – Ehrung in Gerolstein und auch Berlin", Köln, 29.05.2019, in: NRhZ-Online/Neue Rheinische Zeitung, Online-Flyer Nr. 707 (zur Ansicht des Artikels im Volltext dem Link folgen).
2. Hagen Blankerts: Der Hagerhof und seine Familien – eine 350-jährige Geschichte (Kopie aus dem Archiv des Ev. Stadtkirchenverbands Köln; Erscheinungsort und -jahr konnten noch nicht eruiert werden).
3. Isabel Arends u.a.: Schloss Hagerhof, ein Streifzug durch Geschichte und Architektur. Bad Honnef 2010. Der Band befasst sich mit dem Hagerhof „und seinen Familien“ . Die Ära Oelbermann ist überschrieben: „1901 – 1912, Alfred und Josie Oelbermann, Reithalle im Jugendstil und tragische Todesfälle“ . Das Kapitel deckt sich weitgehend mit (2). Das Buch ist im Kreisarchiv Siegburg einsehbar, nicht verleihbar.
4. Irene Franken: Von der Bürstenverkäuferin zur Millionärin., in: Frauen in Köln. Der Historische Stadtführer. Köln 2008, S. 143–145.
5. Ruthard von Frankenberg: Heraldisches Gutachten. Köln, Juli 2019.
6. Udo W. Hombach: "Köln – Jerusalem: Gelder aus Köln für den Ölberg – Die Mäzenin Laura Oelbermann". Köln, 2019, in "Rheinische Heimatpflege", Zeitschrift des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, 2/2019, S. 145–147.
7. Udo W.Hombach: "Laura Oelbermann"; August 2019, zum Volltext auf dieser Seite unter "Gerolstein – Jerusalem" (Fortsetzung meines Aufsatzes vom 29. Mai 2019, "Neue Rheinische Zeitung", Online Flyer Nr. 707; siehe Nr. 1).

8. Asja Bölke in Stadt Köln (Hg.): 200 Jahre Melaten, Köln 2010.
9. Rainer Adamaszek: Familien-Biografik – Therapeutische Entschlüsselung und Wandlung von Schicksalsbindungen. Heidelberg 2003. – Adamaszek hat ein Erklärungsmodell für Erkrankungen und andere bedeutsame Ereignisse, sowohl positiver als auch negativer Art, im Leben eines Menschen entwickelt, das ihn und das, was ihm widerfährt, in einem generationenübergreifenden Familiensystem sieht. Das Konzept integriert und präzisiert Erkenntnisse von Sigmund Freud, Viktor von Weizsäcker und Bert Hellinger. Für die Pathogenese einer Krankheit oder zum besseren Verstehen anderer besonderer Geschehnisse im Leben eines Individuums eröffnet sich so ein weitreichender neuer Horizont. Ein „Genogramm“ (R. Adamaszek) für Laura zu erstellen, erforderte die Daten ihrer Herkunftsfamilie. Über Lauras Sohn Alfred lässt sich vor diesem theoretischen Hintergrund aber durchaus etwas sagen: Vermutlich hatte er eine schwere Bürde zu tragen. Mit seinem vor ihm geborenen Bruder Emil Oelbermann JR lebte er stellvertretend für die zwei schon im Kleinstkindalter gestorbenen Brüder. Außerdem teilte er sich mit Emil JR auch die Übernahme von deren Stellvertreter-Aufgaben. die diese für den Vater und die Großväter (also die Väter von Emil und Laura) gehabt hätten – eine genealogisch überaus schwierige Konstellation! Vielleicht liegt in dieser existenziellen Überforderung, die Alfred natürlich nicht bewusst war, eine Quelle seines missglückten Lebens.

 

1. Lauras mißratener Sohn | 2. Hatte Laura eine Tochter? | 3. Das Wappen derer von Frankenberg | 4. Marmorfunde auf dem Oelbermann-Grab | 5. Geburten und Tode in der Familie Oelbermann | 6. Trieb Emil Oelbermann auch Handel mit Sklaven? | Literatur | Exkurs

 

 

 

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